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10.08.2017

Neumarkt i. d. Opf., Friedhofskirche St. Jobst

Das Türmchen der Neumarkter Friedhofskirche St. Jobst war lange Zeit mit zwei Glöckchen bestückt gewesen. Seit im 2. Weltkrieg eine dieser Glocken beschlagnahmt und vermutlich eingeschmolzen worden ist, erklingt nur mehr ein einzelnes Glöckchen vom Turm. Es trägt ein Bildnis des hl. Laurentius, daher soll diese Anlage am heutigen Festtag dieses Heiligen kurz vorgestellt werden.

Neumarkt i. d. Opf., Friedhofskirche St. Jobst.  Bild: Thomas Winkelbauer

Über das Alter der Friedhofskirche gibt es unterschiedliche Angaben; diese reichen von 1654 bis 1688. Eventuell wurde der Vorgängerbau ganz oder in Teilen 1632 von den Schweden zerstört, so dass in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts der heute sichtbare Neubau errichtet worden ist. Auffällig und geradezu ins Auge stechend an diesem Gotteshaus ist das nach Süden gerichtete Seitenschiff. Dieses nimmt beachtliche Ausmaße an, und steht damit in deutlicher Konkurrenz zum eigentlichen Hauptschiff.

Dachreiter und Glockenanlage

Der über dem Haupteingang der Friedhofskirche sitzende Dachreiter dürfte "jüngeren" Datums sein; er könnte aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert stammen. Sowohl die Spuren im Gebälk, als auch die Archivalien belegen, dass in ihm seit Anbeginn zwei Glöckchen untergebracht gewesen sind.

Während des 1. Weltkriegs musste eine dieser beiden Glocken, über die bis dato leider keine näheren Angaben aufzufinden waren, abgeliefert werden. 1927 kam es daher zum Neuguss einer Ersatzglocke, aber auch diese musste kurze Zeit später während des 2. Weltkrieges abgegeben werden. Seit dieser Zeit verfügt die Friedhofskirche nur noch über ein einziges bescheidenes Glöcklein.

Als die Friedhofskirche 2012 saniert worden ist, erfuhr auch die Glockenanlage eine Überholung: Das vorhandene Stahljoch wurde durch eine solide Konstruktion aus Eichenholz, der ungünstig proportionierte Klöppel durch ein schonenderes Konstrukt ersetzt.

Interessanterweise war das ehemals vorhandene Stahljoch durch einen Aufsatz aus kunstvoll gestalteter Schmiedearbeit verziert. Dieses Konstrukt wurde bewusst wieder auf das neue Tragholz aufgesetzt. Während der Sanierungsarbeiten an der Glockenanlage entdeckte Thomas Winkelbauer, der Glockensachverständige der Diözese Eichstätt, auf dem Türmchen der Dorfkapelle Greisselbach ein ähnlich kunstvoll verziertes Stahljoch. Vielleicht war ja in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein Schlosser oder Schmied aus dem Neumarkter Raum mit der Herstellung oder Montage von Stahljochen beauftragt gewesen, und hatte diese – ähnlich regional unterschiedlichen Holzjochtypen – mit einer persönlichen Note versehen.

Laurentiusglocke

Auch wenn in der Gießerinschrift Joseph Anton Spannagl als Gießer festgehalten ist, hat dieses Instrument zweifelsfrei dessen Sohn Lothar gegossen: Joseph Antons Todestag jährte sich im Gußjahr 1887 bereits zum einundzwanzigsten Mal.

Schlagton: a''

Material: Bronze

Gießer:Lothar Spannagl, Regensburg
Gußjahr: 1887

Durchmesser: 468 mm
Gewicht: ca. 50 kg

Inschrift:
auf der Schulter:
GEGOSSEN V.   I. A. SPANNAGL IN REGENSBURG 1887.  NO: 1284.

Videos

Der Glockenexperte unterwegs

Beitrag des Bayerischen Rundfunks über die Arbeit des Glockensachverständigers Thomas Winkelbauer

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Thomas Winkelbauer - Der Glockenexperte im Bistum Eichstätt

Sagen und Legenden über Glocken in der Region