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05.01.2018

Deinschwang, Filialkirche St. Martin

Die Filialkirche St. Martin in Deinschwang (Pfarrei Traunfeld) stammt in ihren Grundzügen aus dem 14. Jahrhundert, was unschwer an ihrem mächtigen Turm zu erkennen ist. Das Langhaus dagegen wurde im 17. Jahrhundert verändert. Ursprünglich mit lediglich zwei Glocken bestückt, erklingen seit 1906 drei - für eine Filialkirche sogar ziemlich mächtige - Glocken vom Turm.

Die 2015 sanierte Glockenanlage der Filialkirche St. Martin in Deinschwang. Foto: Thomas Winkelbauer

In der "Matrikel des Bisthums Eichstätt nach dem Stande des Jahres 1875" werden für Deinschwang zwei Glocken aufgeführt: ein 1667 gegossenes Instrument des (ergänze: Nürnberger) Gießers (ergänze: Wolfgang Hieronymus) Herold, sowie eine 1649 gefertigte Glocke des (ergänze: Nürnberger) Gießers (ergänze: Leonhard) Löw. Diese beiden Glocken werden auch im 1909 erschienenen Band XVII (Stadt und Bezirksamt Neumarkt) der Kunstdenkmäler Bayerns beschrieben. Zusätzlich zu den Giesserangaben ist in dieser Quelle auch die Inschrift der Löw-Glocke überliefert; sie lautet demnach: "DA PACEM DOMINE IN DIEBUS NOSTRIS ° MEFECIT LEONHARDT LÖW IN NIRMBERG 1649". Bedauerlicherweise sind in keiner dieser beiden Quellen Angaben zum Gewicht oder dem Durchmesser dieser Glocken zu finden.

In den Meldebögen des Jahres 1941 sind andere Glocken aufgeführt, und zwar drei durch den Heidingsfelder Gießer Anton Klaus hergestellte Instrumente mit der Disposition e' - g' - h', Durchmessern von ungefähr 1.220, 980, und 810 Millimetern, sowie Gewichten von etwa 1.012, 540, und 300 Kilogramm. Warum diese Glocken beschafft worden sind, bzw. was mit den bis zu diesem Zeitpunkt vorhandenen Barockglocken geschehen ist, lässt sich aus den vorhandenen Quellen leider nicht erschließen. Sicher ist nur, dass alle drei Instrumente im ersten Weltkrieg von der Ablieferung befreit gewesen sind. Als Begrünung wird in den Meldebögen angegeben: "Vollkommen harmonisches (in e-moll) und auf der Kunstausstellung 1906 in Nürnberg prämiertes Geläute; darum war es im Weltkriege 1914/1918 von der Ablieferung befreit."

Anders erging es diesem Ensemble dagegen während des Weltkriegs: Die große und die kleine Glocke wurden in Gruppe A eingestuft, beide mussten daher recht bald abgeliefert werden; sie sind mit ziemlicher Sicherheit zerschlagen und eingeschmolzen worden.

1952 beschloss die Kirchenverwaltung Deinschwang beim Bamberger Glockengießer David Lotter (II) neue Bronzeglocken zu bestellen. Der zuständige Glockensachverständige Johannes Schlick war darüber nicht glücklich, er hätte einen anderen Gießer bevorzugt. Durchsetzen konnte er sich allerdings in Bezug auf die noch vorhandene Klaus-Glocke: dieses nach seiner Beurteilung unschöne und ungenügende Instrument kam vom Turm und wurde ebenfalls durch eine neue Lotter-Glocke ersetzt.

Sanierung der Glockenanlage

Auf eine Bitte der Kirchenverwaltung hin inspizierte Thomas Winkelbauer, der Glockensachverständige der Diözese Eichstätt, im August 2013 die Deinschwanger Glockenanlage. Er stellte gravierende technische Mängel fest und riet der Kirchenverwaltung mit großem Nachdruck zu einer deutlichen Reduzierung der Läuteeinsätze, sowie zu einer baldigstmöglichen und grundlegenden Sanierung der Glockenanlage.
Der Glockenexperte bemängelte unter anderem massiven Blattrost an wichtigen Knotenpunkten des Glockenstuhls und der Glockenjoche, sowie Schäden im Bereich der hölzernen Unterkonstruktion. Darüber hinaus kam es nach Winkelbauers Beurteilung zu einem übermäßig hohen Verschleiß der Glocken selbst durch ungünstig proportionierte Klöppel in Verbindung mit sehr hohen Läutewinkeln.

Die Kirchenverwaltung beschloss daraufhin im Frühjahr 2014 die Glockenanlage im ersten Halbjahr 2015 zu sanieren zu lassen.

Um Kosten zu sparen zu können übernahmen Kräfte aus Deinschwang einen großen Teil der Demontage-Arbeiten in ehrenamtlicher Eigenleistung.

Die Eichstätter Zimmererei Buchner konzipierte und baute einen neuen Glockenstuhl aus Eichenholz. Dieser kommt komplett ohne nachspannbare Stahlverbindungen aus, die Knotenpunkte sind vielmehr mit ausreichend dimensionierten Holznägeln, bzw. mit Holzkeilen ausgestattet. Dieser auf größtmögliche Nachhaltigkeit ausgelegte Konstruktionsansatz reduziert die künftige Wartung an diesem Glockenstuhl im Wesentlichen auf das gelegentliche Nachschlagen von acht Holzkeilen und den Holznägeln der Queraussteifung.
Die Fachfirma Bayreuther Turmuhren fertigte neue Holzjoche, stattete die Glocken mit neuen, gut dimensionierten Klöppeln aus, und installierte ein neues Hammerwerk für den Uhrschlag.

Das Ergebnis der im III. Quartal 2018 abgeschlossenen Sanierung der Deinschwanger Glockenanlage kann sich sehen und auch hören lassen. Eine fachgerechte jährliche Wartung vorausgesetzt, werden in diese Glockenanlage, abgesehen von diversen unbedeutenden Verschleißteilen, auf Generationen hinaus keine grundlegenden Investitionen mehr notwendig sein.

Dreifaltigkeitsglocke

Die Dreifaltigkeitsglocke bildet das Fundament dieses Glockenensembles. Sie wurde zusammen mit ihren zwei Schwestern im Jahr 1952 beschafft.
Die Deinschwanger Glocken bilden mit ihren Tönen e'-g'-a' das sogenannte Te-Deum-Motiv.

Schlagton: e'
Material: Bronze

Gießer:David Lotter (II), Bamberg
Gußjahr:
1952

Durchmesser: 1.225 mm
Gewicht: ca. 1.020 kg

Inschrift:
auf der Vorderseite der Schulter:
GOTT IN DER HÖH SEI PREIS UND EHR!
auf der Rückseite der Schulter:
1952

Marienglocke

Die Marienglocke ist Maria, der Friedenskönigin, geweiht. Es ist auch heute nicht schwer nachzuempfinden, warum man knapp 8 Jahre nach Kriegsende die "regina pacis" zur Patronin dieser Glocke gewählt hat.

Schlagton: g'
Material: Bronze

Gießer:David Lotter (II), Bamberg
Gussjahr:
1952

Durchmesser: 1.027 mm
Gewicht: 603 kg

Inschrift:
auf der Vorderseite der Schulter:
MARIA KÖNIGIN DES FRIEDENS BITTE FÜR UNS!
auf der Rückseite der Schulter:
1952

Martinglocke

Die Martinglocke bildet seit 1952 die Klangkrone des Deinschwanger Glockenensembles; sie ist dem Patron dieser Kirche geweiht. Als einzige Glocke dieses Ensembles ist sie neben der Inschrift zusätzlich noch mit einem einfach gehaltenen Relief verziert.

Schlagton: a'
Material: Bronze

Gießer:David Lotter (II), Bamberg
Gußjahr:
1952

Durchmesser: 920 mm
Gewicht: 465 kg

Inschrift:
auf der Vorderseite der Schulter:
SACERDOS DEI. MARTINE, PASTOR EGREGIE, ORA PRO NOBIS.
auf der Rückseite der Schulter:
1952

Videos

Der Glockenexperte unterwegs

Beitrag des Bayerischen Rundfunks über die Arbeit des Glockensachverständigers Thomas Winkelbauer

Audios

Thomas Winkelbauer - Der Glockenexperte im Bistum Eichstätt

Sagen und Legenden über Glocken in der Region