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02.12.2017

Altdorf bei Titting, Pfarrkirche St. Nikolaus

Die Pfarrkirche St. Nikolaus in Altdorf bei Titting wird gern als "Perle im Anlautertal" beschrieben. 1732 erstellte der Eichstätter Hofbaudirektor Gabriel di Gabrieli die Pläne für den in den Folgejahren errichteten Neubau. Von der mittelalterlichen Vorgängerkirche bezog Gabrieli lediglich die unteren Geschosse des mächtigen Turms in den Neubau mit ein, von dem seit 1924 drei Bochumer Gußstahlglocken erklingen.

Auch in der "Matrikel des Bisthums Eichstätt nach dem Stande des Jahres 1875" werden für Altdorf bereits drei Glocken aufgeführt, und zwar drei 1873 gefertigte Exemplare des Ingolstädter Gießers (Eduard) Becker. Während des ersten Weltkriegs mussten vermutlich zwei dieser Glocken abgeliefert werden, so dass die Kirchenverwaltung 1924 drei neue Gußstahlglocken des Bochumer Vereins erwarb.

Um diese neuen Glocken im Glockenstuhl aufnehmen zu können - Gußstahlglocken sind bei gleicher Tonhöhe im Durchmesser etwa um das anderthalb-fache größer, als Bronzeglocken - wurde der bestehende Glockenstuhl auf größere Feldweiten hin umgebaut. Leider konnte bis dato nicht recherchiert werden, was mit der zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich noch vorhandenen Bronzeglocke geschehen ist.

Altdorf bei Titting, Pfarrkirche St. Nikolaus. Foto: Thomas Winkelbauer
Altdorf bei Titting, Pfarrkirche St. Nikolaus. Foto: Thomas Winkelbauer
Altdorf bei Titting, Pfarrkirche St. Nikolaus. Foto: Thomas Winkelbauer
Altdorf bei Titting, Pfarrkirche St. Nikolaus: Blick in die Glockenanlage. Foto: Thomas Winkelbauer
Altdorf bei Titting, Pfarrkirche St. Nikolaus: Blick in die Glockenanlage. Foto: Thomas Winkelbauer
Altdorf bei Titting, Pfarrkirche St. Nikolaus: Zugang zur Glockenanlage. Foto: Thomas Winkelbauer
Altdorf bei Titting, Pfarrkirche St. Nikolaus: Zugang zur Glockenanlage. Foto: Thomas Winkelbauer
Altdorf bei Titting, Pfarrkirche St. Nikolaus: Seilführung aus der Zeit des Handläutens der Glocken. Foto: Thomas Winkelbauer

Altdorf bei Titting, Plenum

Sanierung der Glockenanlage

Im April 2016 inspiziert Thomas Winkelbauer, der Glockensachverständige der Diözese Eichstätt, auf Bitten der Kirchenverwaltung hin die Altdorfer Glockenanlage. Er stellt größere technischen Mängel fest und rät der Kirchenverwaltung mit sehr großem Nachdruck zu einer sofortigen Stilllegung der mittleren Glocke, sowie zu einer baldigen Sanierung der Glockenanlage.

Winkelbauer bemängelt in seinem Gutachten unter Anderem starke Korrosion innerhalb wichtiger Baugruppen der vorhandenen Stahljoche. An einem Joch findet er sogar Hinweise, die auf ein baldiges Versagen hinweisen können. Darüber hinaus moniert er eine vermeidbar hohe Belastung des Glockenstuhls durch sehr hohe Läutewinkel.

Im November 2016 reicht daraufhin die Kirchenverwaltung im Bischöflichen Ordinariat Eichstätt einen Baugenehmigungsantrag ein, der noch im Dezember 2016 positiv beschieden wird.

Der Eichstätter Zimmerermeister Max Buchner wird mit der Sanierung des Glockenstuhls beauftragt. Zusammen mit seinem Zimmerermeister Konrad Templer gelingt es ihm die Schwachstellen des Glockenstuhls zu erkennen und mit wenig Aufwand zu beseitigen. Der Glockenstuhl ist nun wieder voll funktionstüchtig; er wird noch für viele Generationen die beim Läuten entstehenden Lasten aufnehmen und an den Turm weitergeben können.

Die Glockenfachfirma Bayreuther Turmuhren stattet die drei Glocken mit neuen Eichenholzjochen, sowie mit neuen Klöppeln aus. Durch eine geschickte Dimensionierung der Klöppel gelingt es bei deutlich niedrigeren Läutewinkeln die Klangerregung der Glocken wesentlich zu verbessern. Die durch den Glockensachverständigen entworfenen Joche lehnen sich in ihrer Gestalt in etwa an die Form von Holzjochen an, mit denen der Bochumer Verein seine Stahlglocken ausgestattet hatte.

Rechtzeitig vor Beginn der Adventszeit 2017 kann die Altdorfer Glockenanlage wieder in Betrieb genommen werden. Der Mesner zeigt sich total überrascht, was für ein Klangpotential in "seinen" Glocken steckt: "Noch nie habe er die Altdorfer Glocken so schön klingen hören", berichtet er dem Glockensachverständigen anlässlich der Abnahme der Sanierungsarbeiten. "Vor der Sanierung sei der Klang schrill und scheppernd gewesen, jetzt klinge das Geläut dagegen voluminös, ja richtig edel und fein."

Altdorf bei Titting, Pfarrkirche St. Nikolaus: Korrosion in einer hoch belasteten Baugruppe des Stahljochs. Foto: Thomas Winkelbauer
Altdorf bei Titting, Pfarrkirche St. Nikolaus: Schlecht geführter Klöppel. Foto: Thomas Winkelbauer
Altdorf bei Titting, Pfarrkirche St. Nikolaus: Saubere Zimmermanns-Arbeit aus dem 19. Jahrhundert. Foto: Thomas Winkelbauer
Altdorf bei Titting, Pfarrkirche St. Nikolaus: Sanierte Glockenanlage. Foto: Thomas Winkelbauer

Altdorf bei Titting, Vergleich vor / nach der Sanierung

 

 

Friedensglocke

Altdorf bei Titting, Pfarrkirche St. Nikolaus: Friedensglocke, 1924 gegossen durch den Bochumer Verein. Foto: Thomas Winkelbauer
Altdorf bei Titting, Pfarrkirche St. Nikolaus: Friedensglocke, 1924 gegossen durch den Bochumer Verein. Foto: Thomas Winkelbauer
Altdorf bei Titting, Pfarrkirche St. Nikolaus: Friedensglocke, 1924 gegossen durch den Bochumer Verein. Foto: Thomas Winkelbauer

Die Friedensglocke bildet das Fundament dieses Glockenensembles. Sie wurde zusammen mit ihren zwei Schwestern im Jahr 1924 beschafft.
Die Altdorfer Glocken bilden mit ihren Tönen fis'-a'-h' das sogenannte Te-Deum-Motiv.

Schlagton: fis'
Material: Gußstahl

Gießer: Bochumer Verein
Gussjahr:
1924

Durchmesser: 1.255 mm
Gewicht: 882 kg

Inschrift:
auf der Vorderseite der Schulter:
GEG. V. BOCHUMER VEREIN, BOCHUM 1924.
auf der Vorderseite der Flanke:
DA PACEM, DOMINE!
auf der Rückseite der Flanke:
ZUM ANDENKEN AN DIE IM WELTKRIEGE
1914 (Tatzenkreuz) 1918
GEFALLENEN DER PFARREI ALTDORF.

Altdorf bei Titting, Friedensglocke

Anbetungsglocke

Altdorf bei Titting, Pfarrkirche St. Nikolaus: Anbetungsglocke, 1924 gegossen durch den Bochumer Verein. Foto: Thomas Winkelbauer
Altdorf bei Titting, Pfarrkirche St. Nikolaus: Anbetungsglocke, 1924 gegossen durch den Bochumer Verein. Foto: Thomas Winkelbauer

Diese Glocke ist - wie ihre beiden Schwestern - lediglich mit Zierringen und einer einfachen Inschrift verziert. Ursprünglich scheinen Schrift und Zierringe, zumindest im Bereich der Schulter, sogar farblich gefasst gewesen zu sein.
Die Glockenspeise, das flüssige Metall beim Glockenguss also, ist im Fall von Gußstahl sehr zäh und "dickflüssig", so dass sich die Zier auf Gußstahlglocken auf einfach abzubildende Elemente beschränken muss.

Schlagton: a'
Material: Gußstahl

Gießer: Bochumer Verein
Gussjahr:
1948

Durchmesser: 1.018 mm
Gewicht: 478 kg

Inschrift:
auf der Vorderseite der Schulter:
GEG. V. BOCHUMER VEREIN, BOCHUM 1924.
auf der Vorderseite der Flanke:
VENITE, ADOREMUS!

Altdorf bei Titting, Friedensglocke

Totengedächtnisglocke

Altdorf bei Titting, Pfarrkirche St. Nikolaus: Totengedächtnisglocke, 1924 gegossen durch den Bochumer Verein. Foto: Thomas Winkelbauer
Altdorf bei Titting, Pfarrkirche St. Nikolaus: Totengedächtnisglocke, 1924 gegossen durch den Bochumer Verein. Foto: Thomas Winkelbauer

Die Totengedächtnisglocke ist bildet die Klangkrone des Altdorfer Glockenensembles. Als Einzelglocke lädt sie nach dem abendlichen Angelus-Läuten zum fürbittenden Gebet für die Verstorbenen ein.
Wie ihre beiden Schwestern ist diese Glocke in der sogenannten "Sextrippe" gegossen. Ihr Unterton müsste also eigentlich eine Sext unter dem Schlagton stehen. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass bei sehr vielen Bochumer Glocken aus dieser Zeit der Unterton im Abstand einer Septime zum Schlagton erklingt.

Schlagton: h'
Material: Gußstahl

Gießer: Bochumer Verein
Gussjahr:
1924

Durchmesser: 918 mm
Gewicht: 338 kg

Inschrift:
auf der Vorderseite der Schulter:
GEG. V. BOCHUMER VEREIN, BOCHUM 1924.
auf der Vorderseite der Flanke:
REQUIEM AETERNAM
DONA EIS, DOMINE!

Altdorf bei Titting, Totengedächtnisglocke